Ein Uhr Nachts in Krabitown. Angekommen. New spot. Der
Ventilator treibt den Garküchengeruch im Kreis umher. Zweibettzimmer, dritter
Stock, hunderfünfzig Baht, dritter Stock, Buchverleih, Fenster, Spiegel, Wäscheständer,
unten ein Gemeinchaftsbad mit Arschdusche, Dusche und Hock-Klo.
Dumpf treibt der Bass der Straße durch die
Wände. Motorengeräusche im Sekundentakt. Kraftlose Arme und Beine vom
Nichtstuen im Reisebus von Malaysia nach Südthailand. Touristen vergleichen
Preise. Fünfzig Baht für sieben Taxi-Kilometer. Zwanzig für weißen Reis ohne
alles. Fried Vegetables mit Pilzen, die aussehen wie Oktopusohren. Hä? Ein
Hupen. Motorengeräusche. Ein Loch im Moskitonetz. Heutzutage sind Fernreisen
nichts besonderes mehr. Vor allem nicht nach Thailand. Für viele ein zweites zu
Hause. Und doch ist man überrascht anderen Globetrotter vom selben Fleck der
Erde zu begegnen, von dem aus man sich selbst vor Monaten oder Wochen auf den
Weg gemacht hat. Mit einem Minirucksack, drei Unterbucksen, einmal langen
Wechselklamotten falls man im Winter wieder zurück kehrt in seine graue,
frostige Heimat. Kurze Smalltalks in german.
“Woher kommst du?“ “ Ich bin aus Westfalen.“ “ Oh, cool. Ich
komm aus Leipzig.“ “ Aha. Habt ihr schon Geld gewechselt?“. “Oh, ich glaube der
Fahrer meinte gerade wir würden jetzt Pause machen, er nickte so.“ “ Jo, ten
minutes.“ “Ah, jo. Ok. Boah erst mal raus aus dem Kühlschrank hier. Da vorne
sind Toiletten.“
“Chai Chai.“
Während die Sonne unterging, klebte im Bus der Hintern am
Sitz und es tröpfelte am Rücken.
Suchend, treibend, latent verloren genießen wir
Privilegierten ein Stück Freiheit. Wir Reichen always looking for cheap prize.
Doch reich macht uns nicht das Geld von zu Hause. Reich machen uns die
Erfahrungen, das Geschenk in ein Slow motion Leben eintauchen zu dürfen. Der
Reichtum des Unbekannten, unendlicher Gerüche und Geschmäcker, Dankbarkeit.
Dritter Stock, nachts in Krabi. Regen.
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