Montag, 28. November 2016

Dritter Stock, nachts in Krabi.



Ein Uhr Nachts in Krabitown. Angekommen. New spot. Der Ventilator treibt den Garküchengeruch im Kreis umher. Zweibettzimmer, dritter Stock, hunderfünfzig Baht, dritter Stock, Buchverleih, Fenster, Spiegel, Wäscheständer, unten ein Gemeinchaftsbad mit Arschdusche, Dusche und Hock-Klo.  Dumpf treibt der Bass der Straße durch die Wände. Motorengeräusche im Sekundentakt. Kraftlose Arme und Beine vom Nichtstuen im Reisebus von Malaysia nach Südthailand. Touristen vergleichen Preise. Fünfzig Baht für sieben Taxi-Kilometer. Zwanzig für weißen Reis ohne alles. Fried Vegetables mit Pilzen, die aussehen wie Oktopusohren. Hä? Ein Hupen. Motorengeräusche. Ein Loch im Moskitonetz. Heutzutage sind Fernreisen nichts besonderes mehr. Vor allem nicht nach Thailand. Für viele ein zweites zu Hause. Und doch ist man überrascht anderen Globetrotter vom selben Fleck der Erde zu begegnen, von dem aus man sich selbst vor Monaten oder Wochen auf den Weg gemacht hat. Mit einem Minirucksack, drei Unterbucksen, einmal langen Wechselklamotten falls man im Winter wieder zurück kehrt in seine graue, frostige Heimat. Kurze Smalltalks in german.  
“Woher kommst du?“ “ Ich bin aus Westfalen.“ “ Oh, cool. Ich komm aus Leipzig.“ “ Aha. Habt ihr schon Geld gewechselt?“. “Oh, ich glaube der Fahrer meinte gerade wir würden jetzt Pause machen, er nickte so.“ “ Jo, ten minutes.“ “Ah, jo. Ok. Boah erst mal raus aus dem Kühlschrank hier. Da vorne sind Toiletten.“  “Chai Chai.“
Während die Sonne unterging, klebte im Bus der Hintern am Sitz und es tröpfelte am Rücken.
Suchend, treibend, latent verloren genießen wir Privilegierten ein Stück Freiheit. Wir Reichen always looking for cheap prize. Doch reich macht uns nicht das Geld von zu Hause. Reich machen uns die Erfahrungen, das Geschenk in ein Slow motion Leben eintauchen zu dürfen. Der Reichtum des Unbekannten, unendlicher Gerüche und Geschmäcker, Dankbarkeit.

Dritter Stock, nachts in Krabi. Regen.

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